Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern. Tot ist nur, 
wer vergessen wird. 
                (Immanuel Kant)

Seit ihrem Bestehen ab Ende 2006 mischt sich die Initiative "Memor Gernsheim" ins kommunale Leben der Schöfferstadt Gernsheim ein, noch am 21. Juli 2008 der Verein gleichen Namens daraus wurde. Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem im "Ried-Echo" belegen dies. Die zum Teil kontroversen Auseinandersetzungen zeigen, wie das Thema "Gedenken" auch noch 70 Jahre nach den beschämenden Ereignissen in Gernsheim die Gemüter erregt. (Zurück zur aktuellen Presseseite)

Hier eine Auswahl:

28. Dezember 2006: "Es ist unsere Pflicht"
Geschichte - Marianne Walz und Gerd Trommer rufen eine Initiative zur Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Gernsheim ins Leben - Suche nach Opfern
Darin heißt es u. a.: Es gehe darum, so Trommer im Gespräch, das Leben und Leiden zu Unrecht Verfolgter zu recherchieren und damit die Voraussetzung für ehrendes Erinnern, würdiges Gedenken und gegebenenfalls für die Rehabilitation der betroffenen Personen zu schaffen.

26. Januar 2007: Morgen Mahnwachen
Gedenken - Initiative aus der Schöfferstadt will mit erster Aktion an Nazi-Verfolgte erinnern
(Textauszug) Nachdem das Stadtparlament der Schöfferstadt in seiner jüngsten Sitzung einen SPD-Antrag abgelehnt hat, die Nazi-Zeit in Gernsheim aufzuarbeiten, haben der SPD-Stadtverordnete und die parteilose Marianne Walz eine Initiative zur Erforschung der Geschehnisse von 1933 bis 1945 gegründet. (...) Eine erste Aktion ist für Samstag vorgesehen. An verschiedenen Orten in der Stadt soll es Mahnwachen geben.

Am 29. Januar 2007 berichtet das Ried-Echo über diese Aktion: Mit Namenstransparenten und Kerzen
Mahnwache - 15 Bürger gedenken auf Einladung der neuen Initiative ´Memor´ Gernsheimer Opfer der Nazi-Diktatur
Textauszug
(...) ging die Gruppe zu den einzelnen Häusern in der Wallggasse, der Einsiedlerstraße, der Schmiedgasse, der Schaf- und der Riedstraße, in denen diese Menschen gelebt hatten. Dort wurden die wenigen bekannten Lebensdaten der Betroffenen genannt und von jeweils zwei Teilnehmern mit einem Namenstransparent und einer brennenden Kerze eine fast einstündige Mahnwache gehalten.

21. Februar 2007: Streitpunkte: Geld und NS-Zeit
Politischer Aschermittwoch - SPD Gernsheim übt erneut scharfe Kritik an Entscheidungen und Verhaltensweisen der Christdemokraten - Müller: Wir lassen uns nicht einschüchtern
In der Fastnachtshochburg Gernsheim ist Aschermittwoch vorüber. Das Ried-Echo berichtet:
(Auszug)
Vor den Genossen und interessierten Bürgern zeigte (...) Marianne Walz ein `charakteristisches Stück politisch-kultureller Alltagsarbeit´. Im Zusammenhang mit dem zweimal abgelehnten SPD-Antrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Gernsheim warf sie den politischen Kräften vor ´mit geschichtlichen Fakten überaus parteiegoistisch, zum Teil verantwortungslos´ umzugehen. Die Autorin des Kapitels ´Drittes Reich´ im neuen Heimatbuch zeigte sich enttäuscht darüber, dass die von Lehrer Helmut Ulrich und seinen Schülern 1965 erarbeitete Dokumentation als ausreichend betrachtet werde. Walz will auch die vom CDU-Stadtverordneten Peter Burger genannten Gründe gegen weitere Recherchen nicht gelten lassen. Der hatte sinngemäß geäußert, dass es ´in unserer kleinen Stadt keinen Streit geben solle`.

Ein kontrovers geführter Dialog wird endlich auch öffentlich hörbar, denn der genannten Aschermittwochs-Ansprache folgt die Widerrede.
24. Februar 2007:
Plädoyer für sachliches Streiten
Politischer Aschermittwoch - Peter Burger (CDU) zu Vorwürfen der Gernsheimer SPD
Burger betont (...) die ihm von Marianne Walz in den Mund gelegte Interpretation `Lasst die Täter in Ruhe, lasst die Opfer vergessen sein` sei eine Frechheit. Niemand bestreite, dass Mitbürger Schuld auf sich geladen hätten. Doch solle sich niemand über das Strafrecht erheben, indem er auf eigene Faust Mitbürger möglicherweise an den Pranger stellt.

Das Ried-Echo meldet weitere geplante Aktivitäten und Initiativen von Memor:

24. Februar 2007: Bober singt vom Judentum
Initiative ´Memor` plant Veranstaltung und Ausstellung im Schöfferhaus
(Auszug) Die private, politisch unabhängige Initiative ´Memor` plant für den 9. November eine Gedenkveranstaltung. Dazu wird der jüdische Liedermacher Dany Bober erwartet. (...) Zudem plant ´Memor´ab dem 26. Januar 2008 eine Ausstellung "Widerstand und Verfolgung in Gernsheim" (...) Beide Veranstaltungen sollen im Museum im Peter-Schöffer-Haus angeboten werden.

Rund um diese beiden Vorhaben entwickelt sich erneuter Streit, wiedergegeben im Ried-Echo am
30. Juni 2007:

Denn der Magistrat der Schöfferhaus Gernsheim erachtet diese Projekte anlässlich der nationalen Gedenktage am 9. November und am 27. Januar für die Privatangelegenheit der `Memor`- Initiatoren und versagt deshalb die Zustimmung, die Räume im Schöfferhaus zu nutzen. Eine bedauerliche Entwicklung, zumal sich Fronten weiter zu verhärten scheinen.

Indessen kommen aus dem Gernsheimer Stadthaus gleichwohl positive Zeichen im Sinne eines ehrlichen Umganges mit rechtsextremistischem Ungeist der alten und der neueren Art.
16. Juni 2007:
Aufmarschgebiet für Rechtsextreme?
Neonazis - "Initiative Gernsheim und Ried" betreibt mit Aufklebern und im Internet Werbung für rechten "Kampfbund"
Unter dieser Überschrift erfahren die Leser des Ried-Echo von feigen, vulgär-verbalen bis tätlichen Attacken gegen die Grünen-Fraktionssprecherin Maritta Piscopia, eine Kommunalpolitikerin, die sich rechtsradikalen Machenschaften offensiv entgegenstellt.
Das Aufmacherfoto zeigt ein Bild der Stadtverordneten aller Fraktionen geeint hinter einem Spruchband mit der Aufschrift "Bei der Wahl kandidieren wir gegeneinander, aber wir stehen gemeinsam gegen Rechte!!!" Die Aufnahme stammt aus der Zeit des Kommunalwahlkampfes 2006.
Dieser Presseartikel, in dem auch die Memor-Initiatoren mit ihrer Stellungnahme zitiert werden, trug wahrscheinlich mit dazu bei, dass sich das Gernsheimer Stadtparlament mit dem Phänomen Rechtsradikalismus weiter beschäftigte. Ein Ergebnis war die gemeinsame Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz am 26.6.2007, beschlossen gemäß einem Antrag der CDU-Fraktion. Mit dem Ergänzungsantrag, der Resolution eine konkrete Aktion am 20. Juli folgen zu lassen, konnte sich die SPD-Fraktion nicht durchsetzen.
Die Resolution wird am übernächsten Tag, dem

28. Juni 2007, im Ried-Echo besprochen.
Die Memor-Initiatoren dürfen sich fortan in der grundsätzlichen Zielrichtung ihrer Aktivitäten von Seiten der Gesamtheit aller Gernsheimer Parlamentarier unterstützt fühlen. Doch die Sache mit den verschlossenen Türen des Schöfferhauses lassen sie nicht auf sich beruhen. Im Ried-Echo erscheint am dazu am 7. November 2007 dazu ein Beitrag. Er ist in der chronologischen Reihenfolge eingefügt

20. Oktober 2007: Jüdische Zeitreise
Memor - Gernsheimer Initiative lädt Dany Bober mit heiter-ernstem Programm ein
Die Memor-Initiatoren finden für ihre Veranstaltung am 9. November eine Stätte, die weit mehr ist als bloßer Ersatz für das verschlossen gebliebene Schöfferhaus: Die evangelische Kirche in der Zwingenberger Straße. Denn im Zuge der Vorbereitungen erweitert sich der Kreis der Aktiven von den vorwiegend "Roten" auf die haupt- und ehrenamtlich Aktiven in den Reihen der evangelischen Gemeinde:
`Memor` will dem Tag in seiner zweifachen Bedeutung gerecht werden (...) Unterstützt werden sie dabei von der evangelischen Kirchengemeinde Gernsheim sowie dem Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß Gerau.

7. November 2007

12. November 2007: Einblicke in Jüdisches Leben
Pogromgedenken - Dany Bober gastiert auf Einladung von `Memor` in der evangelischen Kirche Gernsheim
Die ausführliche Besprechung dieser Veranstaltung im Ried-Echo gibt die heiter-ernste Stimmung wider, die der Vortragende mit seiner Darbietung zu verbreiten weiß. Das vielgestaltige Erlebnis einer Zeitreise über 3 Jahrtausende jüdischer Kultur nehmen die Anwesenden mit nach Hause.

26. Januar 2008: Kapitel Widerstand wenig dokumentiert
Gedenktag - Marianne Walz von `Memor` macht auf Gernsheimer aufmerksam, die sich gegen das Nazi-Regime wehrten
Einleitung / Textauszug) Ehrendes Erinnern ist eine Sache des Herzens und des Wissens, braucht Bilder, Namen und Fakten.
Anstelle der geplanten Ausstellung im Schöfferhaus erreicht Marianne Walz die Publikation eines Beitrages, der den gegenwärtigen Kenntnisstand ausschnittweise wiedergibt. Im vollen Wortlaut ist er auf der Seite "Aktivitäten" zu lesen.

23. Juli 2008

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