Seit
ihrem Bestehen ab Ende 2006 mischt sich die Initiative "Memor
Gernsheim" ins kommunale Leben der Schöfferstadt Gernsheim
ein, noch am 21. Juli 2008 der Verein gleichen Namens daraus wurde.
Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem im "Ried-Echo"
belegen dies. Die zum Teil kontroversen Auseinandersetzungen zeigen,
wie das Thema "Gedenken" auch noch 70 Jahre nach den beschämenden
Ereignissen in Gernsheim die Gemüter erregt. (Zurück zur
aktuellen Presseseite)
Hier
eine Auswahl:
28.
Dezember 2006: "Es
ist unsere Pflicht"
Geschichte - Marianne Walz und Gerd Trommer rufen eine Initiative
zur Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Gernsheim
ins Leben - Suche nach Opfern
Darin heißt es u. a.: Es gehe
darum, so Trommer im Gespräch, das Leben und Leiden zu Unrecht
Verfolgter zu recherchieren und damit die Voraussetzung für ehrendes
Erinnern, würdiges Gedenken und gegebenenfalls für die Rehabilitation
der betroffenen Personen zu schaffen.
26.
Januar 2007: Morgen
Mahnwachen
Gedenken - Initiative aus der Schöfferstadt will mit erster
Aktion an Nazi-Verfolgte erinnern
(Textauszug) Nachdem das Stadtparlament
der Schöfferstadt in seiner jüngsten Sitzung einen SPD-Antrag
abgelehnt hat, die Nazi-Zeit in Gernsheim aufzuarbeiten, haben der
SPD-Stadtverordnete und die parteilose Marianne Walz eine Initiative
zur Erforschung der Geschehnisse von 1933 bis 1945 gegründet.
(...) Eine erste Aktion ist für Samstag vorgesehen. An verschiedenen
Orten in der Stadt soll es Mahnwachen geben.
Am
29. Januar 2007 berichtet das Ried-Echo über
diese Aktion: Mit
Namenstransparenten und Kerzen
Mahnwache - 15 Bürger gedenken auf Einladung der neuen Initiative
´Memor´ Gernsheimer Opfer der Nazi-Diktatur
Textauszug (...) ging die Gruppe zu den einzelnen Häusern
in der Wallggasse, der Einsiedlerstraße, der Schmiedgasse, der
Schaf- und der Riedstraße, in denen diese Menschen gelebt hatten.
Dort wurden die wenigen bekannten Lebensdaten der Betroffenen genannt
und von jeweils zwei Teilnehmern mit einem Namenstransparent und einer
brennenden Kerze eine fast einstündige Mahnwache gehalten.
21.
Februar 2007: Streitpunkte:
Geld und NS-Zeit
Politischer Aschermittwoch - SPD Gernsheim übt erneut scharfe
Kritik an Entscheidungen und Verhaltensweisen der Christdemokraten
- Müller: Wir lassen uns nicht einschüchtern
In der Fastnachtshochburg Gernsheim ist Aschermittwoch
vorüber. Das Ried-Echo berichtet:
(Auszug) Vor den Genossen und interessierten Bürgern
zeigte (...) Marianne Walz ein `charakteristisches Stück politisch-kultureller
Alltagsarbeit´. Im Zusammenhang mit dem zweimal abgelehnten
SPD-Antrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Gernsheim warf
sie den politischen Kräften vor ´mit geschichtlichen Fakten
überaus parteiegoistisch, zum Teil verantwortungslos´ umzugehen.
Die Autorin des Kapitels ´Drittes Reich´ im neuen Heimatbuch
zeigte sich enttäuscht darüber, dass die von Lehrer Helmut
Ulrich und seinen Schülern 1965 erarbeitete Dokumentation als
ausreichend betrachtet werde. Walz will auch die vom CDU-Stadtverordneten
Peter Burger genannten Gründe gegen weitere Recherchen nicht
gelten lassen. Der hatte sinngemäß geäußert,
dass es ´in unserer kleinen Stadt keinen Streit geben solle`.
Ein
kontrovers geführter Dialog wird endlich auch öffentlich
hörbar, denn der genannten Aschermittwochs-Ansprache folgt die
Widerrede.
24. Februar 2007: Plädoyer
für sachliches Streiten
Politischer Aschermittwoch - Peter Burger (CDU) zu Vorwürfen
der Gernsheimer SPD
Burger betont (...) die ihm von Marianne Walz in den Mund gelegte
Interpretation `Lasst die Täter in Ruhe, lasst die Opfer vergessen
sein` sei eine Frechheit. Niemand bestreite, dass Mitbürger Schuld
auf sich geladen hätten. Doch solle sich niemand über das
Strafrecht erheben, indem er auf eigene Faust Mitbürger möglicherweise
an den Pranger stellt.
Das
Ried-Echo meldet weitere geplante Aktivitäten und Initiativen
von Memor:
24.
Februar 2007: Bober
singt vom Judentum
Initiative ´Memor` plant Veranstaltung und Ausstellung im
Schöfferhaus
(Auszug) Die private, politisch unabhängige
Initiative ´Memor` plant für den 9. November eine Gedenkveranstaltung.
Dazu wird der jüdische Liedermacher Dany Bober erwartet. (...)
Zudem plant ´Memor´ab dem 26. Januar 2008 eine Ausstellung
"Widerstand und Verfolgung in Gernsheim" (...) Beide Veranstaltungen
sollen im Museum im Peter-Schöffer-Haus angeboten werden.
Rund
um diese beiden Vorhaben entwickelt sich erneuter Streit, wiedergegeben
im Ried-Echo am
30. Juni 2007:
Denn
der Magistrat der Schöfferhaus Gernsheim erachtet diese Projekte
anlässlich der nationalen Gedenktage am 9. November und am 27.
Januar für die Privatangelegenheit der `Memor`- Initiatoren und
versagt deshalb die Zustimmung, die Räume im Schöfferhaus
zu nutzen. Eine bedauerliche Entwicklung, zumal sich Fronten weiter
zu verhärten scheinen.
Indessen
kommen aus dem Gernsheimer Stadthaus gleichwohl positive Zeichen im
Sinne eines ehrlichen Umganges mit rechtsextremistischem Ungeist der
alten und der neueren Art.
16. Juni 2007: Aufmarschgebiet
für Rechtsextreme?
Neonazis - "Initiative Gernsheim und Ried" betreibt mit
Aufklebern und im Internet Werbung für rechten "Kampfbund"
Unter dieser Überschrift erfahren die Leser
des Ried-Echo von feigen, vulgär-verbalen bis tätlichen
Attacken gegen die Grünen-Fraktionssprecherin Maritta Piscopia,
eine Kommunalpolitikerin, die sich rechtsradikalen Machenschaften
offensiv entgegenstellt.
Das Aufmacherfoto zeigt ein Bild der Stadtverordneten aller Fraktionen
geeint hinter einem Spruchband mit der Aufschrift "Bei der
Wahl kandidieren wir gegeneinander, aber wir stehen gemeinsam gegen
Rechte!!!" Die Aufnahme stammt aus der Zeit des Kommunalwahlkampfes
2006.
Dieser Presseartikel, in dem auch die Memor-Initiatoren mit ihrer
Stellungnahme zitiert werden, trug wahrscheinlich mit dazu bei, dass
sich das Gernsheimer Stadtparlament mit dem Phänomen Rechtsradikalismus
weiter beschäftigte. Ein Ergebnis war die gemeinsame Resolution
gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz am 26.6.2007, beschlossen
gemäß einem Antrag der CDU-Fraktion. Mit dem Ergänzungsantrag,
der Resolution eine konkrete Aktion am 20. Juli folgen zu lassen,
konnte sich die SPD-Fraktion nicht durchsetzen.
Die Resolution wird am übernächsten Tag, dem
28.
Juni 2007, im Ried-Echo besprochen.
Die Memor-Initiatoren dürfen sich fortan in der grundsätzlichen
Zielrichtung ihrer Aktivitäten von Seiten der Gesamtheit aller
Gernsheimer Parlamentarier unterstützt fühlen. Doch die
Sache mit den verschlossenen Türen des Schöfferhauses lassen
sie nicht auf sich beruhen. Im Ried-Echo erscheint am
dazu am 7. November 2007 dazu ein Beitrag. Er ist in der chronologischen
Reihenfolge eingefügt
20.
Oktober 2007: Jüdische
Zeitreise
Memor - Gernsheimer Initiative lädt Dany Bober mit heiter-ernstem
Programm einDie
Memor-Initiatoren finden für ihre Veranstaltung am 9. November
eine Stätte, die weit mehr ist als bloßer Ersatz für
das verschlossen gebliebene Schöfferhaus: Die evangelische Kirche
in der Zwingenberger Straße. Denn im Zuge der Vorbereitungen
erweitert sich der Kreis der Aktiven von den vorwiegend "Roten"
auf die haupt- und ehrenamtlich Aktiven in den Reihen der evangelischen
Gemeinde:
`Memor` will dem Tag in seiner zweifachen
Bedeutung gerecht werden (...) Unterstützt werden sie dabei von
der evangelischen Kirchengemeinde Gernsheim sowie dem Förderverein
Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß Gerau.
7.
November 2007

12.
November 2007: Einblicke
in Jüdisches Leben
Pogromgedenken - Dany Bober gastiert auf Einladung von `Memor`
in der evangelischen Kirche Gernsheim
Die ausführliche Besprechung dieser Veranstaltung
im Ried-Echo gibt die heiter-ernste Stimmung wider, die der Vortragende
mit seiner Darbietung zu verbreiten weiß. Das vielgestaltige
Erlebnis einer Zeitreise über 3 Jahrtausende jüdischer Kultur
nehmen die Anwesenden mit nach Hause.
26.
Januar 2008: Kapitel
Widerstand wenig dokumentiert
Gedenktag - Marianne Walz von `Memor` macht auf Gernsheimer aufmerksam,
die sich gegen das Nazi-Regime wehrten Einleitung
/ Textauszug)
Ehrendes Erinnern ist eine Sache des Herzens und des Wissens, braucht
Bilder, Namen und Fakten.
Anstelle der geplanten Ausstellung im Schöfferhaus
erreicht Marianne Walz die Publikation eines Beitrages, der den gegenwärtigen
Kenntnisstand ausschnittweise wiedergibt. Im vollen Wortlaut ist er
auf der Seite "Aktivitäten"
zu lesen.
23. Juli 2008